FAQ: Füchse und Räude / Fuchsräude
3.3 Wildtierkrankheiten: Räude
3.3.1 Was ist die Räude/Fuchsräude?
Bei Scabies, die umgangssprachlich meist Räude genannt wird, handelt es sich um eine recht weit verbreitete parasitäre Hauterkrankung, die Säugetiere und Vögel befallen kann. Unter wildlebenden Tieren ist in Mitteleuropa vor allem der Fuchs betroffen. Verursacht wird die Räude von der Sarcoptesmilbe (Sarcoptes scabiei), deren Weibchen sich in die Oberhaut bohren und dort in Kanälen Kot und Eier ablegen. Infolgedessen entstehen heftig juckende Bläschen und Pusteln. Kratzt sich das befallene Tier, entstehen häufig Sekundärläsionen in Form von Kratzwunden; das Fell fällt aus, und im Finalstadium sind einzelne Körperteile bisweilen völlig nackt. Unbehandelt führt die Krankheit bei Füchsen und anderen Hundeartigen oft zum Tode. Die Inkubationszeit beträgt etwa drei bis sechs Wochen.
3.3.2 Ist die Räude auf Haustiere übertragbar?
Scabies ist stark ansteckend; Hunde können sich beispielsweise durch körperlichen Kontakt mit befallenen Füchsen infizieren. Allerdings gibt es sehr effektive und zuverlässige Behandlungsformen, die die Parasiten bereits nach einmaliger Anwendung abtöten: Mittel der Wahl sind dabei die Wirkstoffe Ivermectin und Selectamin, die entweder auf die Haut aufgetragen oder eingenommen werden können.
3.3.3 Ist die Räude auf den Menschen übertragbar?
Räudemilben können sich in menschlicher Haut nicht weiterentwickeln und sterben ab. Eine Infektion mit der Räude (beispielsweise durch Kontakt mit infizierten Haustieren) ist daher nicht möglich. Allerdings kann Sarcoptes scabiei den Menschen befallen und eine kurzzeitige Erkrankung mit Juckreiz und kleinen Papeln auslösen. Diese sogenannte Pseudokrätze heilt auch ohne Behandlung nach wenigen Tagen ab.
3.3.4 Wie verbreitet ist die Räude unter Füchsen?
Über den Verbreitungsgrad der Räude in Fuchspopulationen gibt es derzeit noch wenig verlässliche Daten. Lediglich in Bayern existiert seit einigen Jahren ein systematisches Räudemonitoring, im Rahmen dessen das Auftreten von Räude bei Füchsen erfasst wird. Wenn von manchen Jägern behauptet wird, die Räudefälle hätten in den letzten Jahren zugenommen, ist dies also zunächst einmal eine unbelegte Behauptung. Zwar wurden 2010 aus etwa der Hälfte der untersuchten bayerischen Landkreise Fälle von Fuchsräude berichtet, doch erlaubt dies natürlich keine Aussage über die Häufigkeit der Räude in diesen Landkreisen.
In Baden-Württemberg wurde die Verbreitung der Räude 2005 im Rahmen einer umfassenden Studie untersucht. Hier zeigte sich, dass von 2.481 untersuchten Füchsen nur etwa drei Prozent tatsächlich in Kontakt mit Räudemilben gekommen waren. Als Haut und Fell dieser etwa 80 Tiere genauer untersucht wurden, stellte sich heraus, dass nur vier von ihnen tatsächlich äußere Merkmale einer Räudeerkrankung aufwiesen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass von 10.000 baden-württembergischen Füchsen etwa 300 räudepositiv waren und gerade einmal 15 von ihnen auch Symptome zeigten. Die Räude war hier also eine sehr seltene Erkrankung.
Auch in der Vergangenheit flackerte die Räude lokal immer wieder auf und erlosch dann von selbst wieder. Vor allem dort, wo die Räude besonders stark um sich gegriffen hat, scheinen die Füchse eine zunehmende Resistenz gegen Neuinfektionen zu entwickeln. Da die Jagd den eigentlich gegebenen Überlebensvorteil für räuderesistente Füchse jedoch zunichte macht (ein Jäger sieht einem Fuchs seine Räuderesistenz schließlich nicht an), dürfte das Töten von Füchsen auch in dieser Hinsicht kontraproduktiv sein.
Literatur:
Constantin, E.-M. (2005): Epidemiologische Untersuchung zur Verbreitung der Räude beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Baden-Württemberg. Dissertation, Berlin
Davidson, R.; Bornstein, S.; Handelanda, K. (2008): Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host/parasite adaptation. Veterinary Parasitology, Vol. 267(3-4)
3.3.5 Woran erkennt man eine Räudeinfektion bei Füchsen?
Räudekranker Fuchs im fortgeschrittenen
Stadium der Krankheit (Bild: TinyPackages/flickr)
Die offenkundigsten Anzeichen sind häufiges und sehr intensives Kratzen sowie kahle Körperstellen, vornehmlich an Kopf, Hinterteil und Schwanz. Mit Räude infizierte Füchse verhalten sich überdies bisweilen untypisch - zielloses Umherwandern am Tag, begleitet von häufigem Kratzen und Bissen in das eigene Fell und vollständigem Ablegen jeglicher Menschenscheu sind Anzeichen für eine Infektion. Dazu kommen Abmagerung, Dehydrierung und Augenentzündungen.
Für fehlende Scheu bei Füchsen gibt es allerdings viele Ursachen - die meisten zutraulichen Tiere sind erfahrungsgemäßg vollständig gesund. Junge Füchse trauen sich bisweilen aus reiner Neugier sehr nah an Menschen heran, und gerade in Siedlungen und Städten sind Füchse menschliche Präsenz gewöhnt und haben den Menschen nicht als Feind kennengelernt. Zutraulichkeit allein ist also kein Anzeichen für eine Erkrankung.
3.3.6 Was kann man gegen die Fuchsräude unternehmen?
Da Ivermectin die Leber belastet, sollte es nicht bei laktierenden Fähen und Jungfüchsen eingesetzt werden. Verschiedentlich wird als Alternative zu Ivermectin bei Füchsen der Einsatz von Selamectin (Handelsname z.B. Stronghold) empfohlen, das auch von trächtigen bzw. säugenden Füchsinnen sowie von Jungtieren gut vertragen wird. Die zu verabreichende Menge richtet sich wie im Beipackzetteln angegeben nach dem geschätzten Gewicht des Fuchses. Als Köder bieten sich z.B. tote Eintagsküken an, denen das Präparat in den Hals gespritzt wird.
Ein Präparat in Tablettenform, das bereits bei einmaliger Anwendung zwölf Wochen wirkt, ist Bravecto (Wirkstoff: Fluralaner). Bravecto ist in Deutschland nur für die Behandlung von Flöhen und Zecken freigegeben, wirkt aber ebenso gegen Räudemilben und wird erfolgreich zur Behandlung wild lebender räudekranker Füchse eingesetzt. Ebenso wie Selamectin wird Bravecto auch von säugenden Füchsinnen und Welpen gut vertragen.
Die Jagdverbände propagieren angesichts des Auftretens von Fuchsräude einmal mehr intensivere Fuchsbejagung als Allheilmittel zur Bekämpfung der Infektion. Ähnlich wie bei Tollwut und Fuchsbandwurm gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt, warum noch erbarmungslosere Fuchsjagd die Ausbreitung der Räude eindämmen sollte - immerhin hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Reduktion der Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln nicht möglich ist. Zudem fördert die Bejagung Wanderbewegungen in Fuchspopulationen, wodurch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Erkrankung - ähnlich, wie es für die Tollwut nachgewiesen ist und für den Fuchsbandwurm vermutet wird - eher steigen als sinken dürfte.
Da die Räude herdförmig auftritt und in einigen Gebieten deutlich schlechter Fuß fassen kann als in anderen Regionen, vermuten Epidemiologen übrigens, dass sich mancherorts weitestgehend gegen die Räude immune Fuchspopulationen herausbilden.
Literatur:
Wandeler, P. et al. (2003): The city-fox phenomenon: genetic consequences of a recent colonization of urban habitat. Molecular Ecology 12, 647-656. Baker, P., Newman, T. & Harris, S. (2001): Bristol's foxes - 40 years of change. British Wildlife 12, 411-417.
Newman, T.J., Baker, P.J. & Harris, S. (2002): Nutritional condition and survival of red foxes infected with sarcoptic mange. Canadian Journal of Zoology 80, 154-161.