FAQ: Füchse und Räude / Fuchsräude
3.3 Wildtierkrankheiten: Räude
3.3.1 Was ist die Räude/Fuchsräude?
Bei Scabies, die umgangssprachlich meist Räude (bei Tieren) oder Krätze (bei Menschen) genannt wird, handelt es sich um eine recht weit verbreitete parasitäre Hauterkrankung, die Säugetiere und Vögel befallen kann. Unter wildlebenden Tieren ist in Mitteleuropa vor allem der Fuchs betroffen. Verursacht wird die Räude von der Sarcoptesmilbe, deren Weibchen sich in die Oberhaut bohren und dort in Kanälen Kot und Eier ablegen. Infolgedessen entstehen heftig juckende Bläschen und Pusteln. Kratzt sich das befallene Tier, entstehen häufig Sekundärläsionen in Form von Kratzwunden; das Fell fällt aus, und im Finalstadium sind einzelne Körperteile bisweilen völlig nackt. Unbehandelt führt die Krankheit bei Füchsen und anderen Hundeartigen oft zum Tode. Die Inkubationszeit beträgt etwa drei bis sechs Wochen.
Scabies ist stark ansteckend; Menschen können sich beispielsweise durch körperlichen Kontakt mit befallenen Tieren (meist Hunde, seltener Katzen) infizieren. Da jedoch effektive Behandlungsformen verfügbar sind, die die Parasiten bereits nach einmaliger Anwendung abtöten (in der Humanmedizin bspw. InfectoScab, zugelassen seit 2004), stellen Räude bzw. Krätze für Mensch und Haustier in der modernen Zivilisation kein Problem mehr dar.
3.3.2 Wie verbreitet ist die Räude unter Füchsen?
Über den Verbreitungsgrad der Räude in Fuchspopulationen gibt es derzeit noch wenig verlässliche Daten. Lediglich in Bayern existiert seit einigen Jahren ein systematisches Räudemonitoring, im Rahmen dessen das Auftreten von Räude bei Füchsen erfasst wird. Wenn von manchen Jägern behauptet wird, die Räudefälle hätten in den letzten Jahren zugenommen, ist dies also zunächst einmal eine unbelegte Behauptung. Zwar wurden 2010 aus etwa der Hälfte der untersuchten bayerischen Landkreise Fälle von Fuchsräude berichtet, doch erlaubt dies natürlich keine Aussage über die Häufigkeit der Räude in diesen Landkreisen.
In Baden-Württemberg wurde die Verbreitung der Räude 2005 im Rahmen einer umfassenden Studie untersucht. Hier zeigte sich, dass von 2.481 untersuchten Füchsen nur etwa drei Prozent tatsächlich in Kontakt mit Räudemilben gekommen waren. Als Haut und Fell dieser etwa 80 Tiere genauer untersucht wurden, stellte sich heraus, dass nur vier von ihnen tatsächlich äußere Merkmale einer Räudeerkrankung aufwiesen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass von 10.000 baden-württembergischen Füchsen etwa 300 räudepositiv waren und gerade einmal 15 von ihnen auch Symptome zeigten. Die Räude war hier also eine sehr seltene Erkrankung.
Auch in der Vergangenheit flackerte die Räude lokal immer wieder auf und erlosch dann von selbst wieder. Vor allem dort, wo die Räude besonders stark um sich gegriffen hat, scheinen die Füchse eine zunehmende Resistenz gegen Neuinfektionen zu entwickeln. Da die Jagd den eigentlich gegebenen Überlebensvorteil für räuderesistente Füchse jedoch zunichte macht (ein Jäger sieht einem Fuchs seine Räuderesistenz schließlich nicht an), dürfte das Töten von Füchsen auch in dieser Hinsicht kontraproduktiv sein.
Literatur:
Constantin, E.-M. (2005): Epidemiologische Untersuchung zur Verbreitung der Räude beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Baden-Württemberg. Dissertation, Berlin
Davidson, R.; Bornstein, S.; Handelanda, K. (2008): Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host/parasite adaptation. Veterinary Parasitology, Vol. 267(3-4)
3.3.3 Ist die Räude für Menschen oder Haustiere gefährlich?
Menschen und Haustiere wie Hunde oder Katzen können sich durch Kontakt mit räudeinfizierten Tieren anstecken; dies können sowohl andere Hunde oder Katzen als auch infizierte Wildtiere wie etwa Füchse sein. Die Ansteckungsgefahr kann man dadurch gering halten, dass man den Kontakt von Haustieren zu offensichtlich mit Räude infizierten Tieren (sowohl lebenden als auch tot aufgefundenen) unterbindet. Halter von Tieren, bei denen Räude diagnostiziert wurde, sollten sicherheitshalber selber einen Arzt aufsuchen.
Im Infektionsfall bieten sowohl Human- als auch Veterinärmedizin effektive Medikamente gegen die Milbeninfektion, so dass durch die Räude kein erntshaftes Gefahrenpotential besteht. Beim Menschen gibt es wirksame Salben, die auch den Juckreiz in kurzer Zeit unterbinden; für Haustiere sind im Handel Sprays verfügbar, die die Milben rasch abtöten.
3.3.4 Woran erkennt man eine Räudeinfektion bei Füchsen?
Die offenkundigsten Anzeichen sind häufiges und sehr intensives Kratzen sowie kahle Körperstellen, vornehmlich an Kopf, Rücken und Schwanz. Mit Räude infizierte Füchse verhalten sich überdies bisweilen untypisch - zielloses Umherwandern am Tag, begleitet von häufigem Kratzen und Bissen in das eigene Fell und vollständigem Ablegen jeglicher Menschenscheu sind Anzeichen für eine Infektion. Dazu kommen Abmagerung, Dehydrierung und Augenentzündungen.
3.3.5 Was kann man gegen die Fuchsräude unternehmen?
Die Jagdverbände propagieren angesichts des Auftretens von Fuchsräude einmal mehr intensivere Fuchsbejagung als Allheilmittel zur Bekämpfung der Infektion. Ähnlich wie bei Tollwut und Fuchsbandwurm gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt, warum noch erbarmungslosere Fuchsjagd die Ausbreitung der Räude eindämmen sollte - immerhin hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Reduktion der Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln nicht möglich ist. Zudem fördert die Bejagung Wanderbewegungen in Fuchspopulationen, wodurch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Erkrankung - ähnlich, wie es für die Tollwut nachgewiesen ist und für den Fuchsbandwurm vermutet wird - eher steigen als sinken dürfte.
Da die Räude herdförmig auftritt und in einigen Gebieten deutlich schlechter Fuß fassen kann als in anderen Regionen, vermuten Epidemiologen übrigens, dass sich mancherorts weitestgehend gegen die Räude immune Fuchspopulationen herausbilden.
Literatur:
Wandeler, P. et al. (2003): The city-fox phenomenon: genetic consequences of a recent colonization of urban habitat. Molecular Ecology 12, 647-656. Baker, P., Newman, T. & Harris, S. (2001): Bristol's foxes - 40 years of change. British Wildlife 12, 411-417.
Newman, T.J., Baker, P.J. & Harris, S. (2002): Nutritional condition and survival of red foxes infected with sarcoptic mange. Canadian Journal of Zoology 80, 154-161.